Berge im Nebel

Es ist mittlerweile fast schon eine Art Tradition für meine Freunde und mich, jährlich mindestens eine Tour in die Alpen zu unternehmen. So machten wir uns auch im Juli 2017 wieder auf. Dieses mal sollte es ins Lechquellengebirge nach Österreich gehen. Unsere Gruppe bestand dieses mal aus mehr als dem harten Kern um Hans, Lucas und mich. Uns schlossen sich Robin, Luisa und Claire an.

Schon nach der Ankunft am Treffpunkt begegnete uns die erste kleine Hürde, die für die nächsten Tage zum ständigen Begleiter werden würde: Dauerregen. Nur gut, dass ich ohne vernünftige Regenjacke zum Trip aufgebrochen war.

Berge im Nebel

Davon ließen wir uns die Stimmung und die Lust auf den Berg aber nicht nehmen. Unsere erste Tagesetappe meisterten wir in Rekordzeit. Oben angekommen waren wir ohne Ausnahme komplett durchnässt, aber überglücklich. Der Ausblick, der sich uns bot, war unbeschreiblich. Dank Regen und Nebel hing eine ganz besondere Atmosphäre in den Gipfeln der Alpen. Ich war sofort hin und weg, schnappte mir meine Kamera, schoss unzählige Bilder und versuchte diese unfassbare Stimmung einzufangen.

Die Alpen im Nebel

Die Nacht verbrachten wir in der urigen, kleinen „Biberacher Hütte“, wo wir nach einem Abendbrot ein paar Bier tranken, Karten spielten und neue Bekanntschaften machten. Da wir am Fenster saßen, konnte ich nicht anders und sprang immer wieder vom Tisch auf und rannte heraus um Fotos zu schießen, während meine Freunde von innen gegen das Fenster klopften und mich wieder herein winkten. Später fielen wir dann alle kaputt in unsere Mannschaftsbetten und freuten uns auf eine Mütze Schlaf.

Am nächsten Morgen ging es früh für mich raus. Während die Anderen noch ein paar Minuten schliefen, stand ich draußen vor der Hütte, machte hier und da ein paar Bilder und genoss den Sonnenaufgang in den Bergen.

Neblige Bergspitzen

Regenwetter und Nässe verließen uns auch die nächsten Tage nicht und so wateten wir durch Schlamm und über glatte Steine. Die Stille der Landschaft wurde nur ab und zu vom Gesang der Kühe und Murmeltiere unterbrochen. „Schneller!“ oder „Da geht noch was!“ wollten sie uns wahrscheinlich sagen, während wir unsere viel zu großen Rucksäcke durch den Nebel schleppten. Einige Male trafen wir Tagestouristen, die uns sogar fragten, was wir denn vorhätten und mit großen Augen auf unsere Rucksäcke zeigten.

Blick aus der Blockhütte in den Alpen

Nach den anstrengenden, aber wunderschönen Tagesetappen freuten wir uns gegen Ende des Tages immer auf eine trockene Hütte, ein warmes Abendessen und die Möglichkeit, unsere nassen Sachen zu trocknen. Auch wenn das nicht immer so ganz funktionierte. Dort trafen wir auch täglich bekannte Gesichter, welche sich die selbe Tour zum Ziel gemacht hatten wie wir. Mit ihnen beratschlagten wir uns über die Route des nächsten Tages, scherzten ein wenig und lernten uns so kennen. Aus Fremden wurden schnell Freunde und wir grüßten uns freudig, wenn wir uns tagsüber einmal auf dem Berggipfel begegneten.

Erst am 4. Tag der Tour klarte der Himmel auf und brachte uns vom Regen in extreme Sonne. In der drückenden Hitze wurde das Klettern schnell zur Belastungsprobe, während die Temperaturen gefühlt ins Unendliche schossen. Die gesammelte Anstrengung der letzten Tage machte sich spätestens jetzt bei uns allen bemerkbar, wobei wir die wohl härteste Etappe noch vor uns hatten: Über 2.000 Höhenmeter galt es am vorletzten Tag der Tour zu bewältigen. Von der Sonne weichgekocht, motivierten wir uns gegenseitig mit der Aussicht auf ein Wiener Schnitzel in der Hütte und kämpften uns in der Mittagshitze den Berg hinauf. Was zu diesem Zeitpunkt keiner wusste – was wahrscheinlich auch besser so war – dass es oben kein lang ersehntes Schnitzel geben sollte.

Eins unserer Mitglieder hatte ganz besonders zu kämpfen, weshalb wir uns entschlossen, bei der „Stuttgarter Hütte“ – unserer letzten Übernachtung – anzurufen. Das Personal der Berghütte war sofort hilfsbereit und so einigten wir uns kurzerhand. Den Rucksack unseres erschöpften Mitglieds durften wir in der Transportbahn der Alm unterbringen, die zum Gipfel des Berges fuhr. Als Gegenleistung bat man uns, vorher eine Lieferung des Leergutes die von der Hütte kam, auszuräumen und durch eine Neue zu ersetzen. So luden wir im kleinen Schuppen im Tal fröhlich Bierfässer aus und ein, packten den Rucksack darauf und schickten die Bahn wieder den Berg hinauf, bevor wir uns an den letzten Aufmarsch machten. Während wir uns dem Gipfel entgegen quälten, sahen wir immer wieder die Bahn, die parallel zu uns den Berg hinauf flog und den Gipfel in Windeseile erreichte.

Nach einigen Flüchen und Atempausen meisterten wir schlussendlich den letzten Aufstieg der Tour. Total erschöpft setzten wir uns zusammen und genossen den Ausblick. Ich glaube in diesem Moment verspürte jeder von uns eine unfassbare Menge von Gefühlen: Erschöpfung, Glück, Erleichterung, Stolz und ganz besonders: Freundschaft.

Ein letztes Mal genossen wir die Alpen, bevor wir am nächsten Morgen zur Abreise ins Tal abstiegen. Am Auto angekommen, besaß ich gemischte Gefühle. Zwar freute ich mich auf mein zu Hause und eine ausgiebige Dusche, aber andererseits … konnte die auch noch warten! Lieber noch einen Berg besteigen und dieses unglaubliche Panorama genießen!

Letztendlich siegte der Verstand und Termindruck dann aber über das Herz und wir machten uns auf den Weg zurück ins schöne Leipzig. Eines ist auf jeden Fall klar: Lange wird es nicht dauern, bis ich die Berggipfel wieder unsicher mache!

Freunde in den Alpen

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Franz Ferdinand Marx
Hat Höhenangst, aber liebt Berggipfel. / @franzferdinandmarx