Frederik Schindler Fotograf auf den Lofoten

Um dem Betrachter etwas Besonderes zu bieten, ist es erforderlich, sich zu den unüblichsten Zeiten aus dem Bett zu pellen. Während Frau und Kind noch tief und fest schlafen, bricht Frederik Schindler auf, um außergewöhnliche Naturszenerien in ihrer vollendeten Pracht einzufangen. Was ihn antreibt und warum es sich lohnt den Wecker zu stellen, erfahrt ihr im Interview. 

Erzähl doch mal, Frederik…

 

Wo kommst du her?

Ich bin zwischen Hamburg und Bremen in einem kleinen Städtchen namens Tarmstedt geboren.

Wo lebst du aktuell?

Zurzeit lebe ich in Berlin.

Hast du studiert?

Ja, ich habe Medienproduktion studiert und mich innerhalb des Studiums auf die visuelle Gestaltung von Filmen konzentriert.

Saxer Lücke in der Schweiz

Saxer Lücke im Alpstein, Schweiz / ©Frederik Schindler

 

Wie verdienst du deinen Lebensunterhalt?

Seit vielen Jahren bin ich freiberuflich als Regisseur und Kameramann in der Filmbranche tätig. Das heißt ich entwickle das visuelle Konzept eines Filmes und setze es zusammen mit einem Team um. Vorrangig mache ich Werbung, kurze Doku’s, Musikvideos oder auch Filme für große Events.

Furkapass Glacier by Frederik Schindler

Rhonegletscher, Schweiz / ©Frederik Schindler

 

Was ist deine größte Leidenschaft?

Generell bin ich ein sehr leidenschaftlicher Mensch. Wenn mich eine Sache richtig begeistert, dann gebe ich gerne 150%. Eine einzelne Leidenschaft zu nennen ist schwierig, aber wenn ich es auf den Punkt bringe, dann ist die Gestaltung mit der Kamera (Film & Foto) schon meine größte Passion. Mein Job ist also gut gewählt. 🙂 Als Motive reizen mich zur Zeit vor allem interessante, einzigartige Orte in der Natur, gepaart mit einer mystischen Stimmung. Das Bild soll etwas erzählen und in eine Fantasiewelt entführen.

Canyon in Island

Fjaðrárgljúfur Canyon, Island / ©Frederik Schindler

 

Und wie kam es dazu?

Vor vielen vielen Jahren, in der neunten Klasse, mussten wir als Schüler zur Berufsberatung. Ich weiß heute noch, dass ich der Dame am Schreibtisch gesagt habe, dass ich Kameramann werden will. Damals habe ich nur ein müdes Lächeln geerntet, aber bin diesen Weg eigentlich ziemlich straight weiter gegangen. Mich hat das Gestalten im Allgemeinen einfach schon immer fasziniert. Sei es Malen mit dem Stift oder auch Grafikdesign am Computer – ich habe einiges ausprobiert, aber die Kamera mag ich dann schlussendlich doch am liebsten.

Sonnenaufgang Sächsische Schweiz

Sächsische Schweiz, Deutschland / ©Frederik Schindler

 

Wie hat sich das Ganze auf dein Leben ausgewirkt?

Hmm, ich denke ich sehe vieles mit anderen Augen und versuche immer unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen. Dadurch, dass ich davon leben kann, lebe ich sehr frei. Meistens kann ich mir meinen Tag selbst einteilen und auch Reisen sehr individuell planen. Das ist wirklich ein tolles Gefühl.

Mann unter Wasserfall am Oeschinensee

Oeschinensee, Schweiz / ©Frederik Schindler

 

Da kommst du ja sicher gut rum, oder? Wo warst du schon überall?

Dadurch, dass ich auch für meinen Job immer wieder reise, kommt da schon einiges zusammen. In Europa war ich vom Norden bis zum Süden schon in vielen Ecken. Ich war aber lange Zeit nie ausserhalb von Europa unterwegs. Erst vor ein paar Jahren war ich länger in Australien. Das war definitiv auch eine ganz besondere Reise, da ich mit meiner Frau für 6 Monate nur in einem Van gelebt habe.

Flugzeugwrack in Island

Flugzeugwrack von Sólheimasandur, Island / ©Frederik Schindler

 

Welche war deine bisher beeindruckendste Reise?

Es ist schwer da nur eine zu nennen. Australien war ziemlich beeindruckend. Aber speziell in diesem Jahr war der Trip zu den Lofoten etwas ganz besonderes. Ich habe einen einjährigen Sohn und wir sind zu dritt in den Norden von Finnland geflogen. Dort haben wir erstmal den Weihnachtsmann besucht 😀 und sind dann mit einem Wohnmobil quer durch Lappland bis zu den Lofoten gefahren. Die Landschaft dort hat mich schon ziemlich beeindruckt. Vor allem im Herbst waren die Farben einmalig und ich habe einige spannende, atmosphärische Stimmungen erwischt.

Küste auf den Lofoten Norwegen

Lofoten, Norwegen / ©Frederik Schindler

Insgesamt habe ich dort kaum geschlafen. Meistens bin ich um 3 Uhr in der Nacht auf irgendeinen Berg gewandert um von dort die Morgenstimmung zu shooten. Danach haben wir als Familie den Rest des Tages verbracht und sind auch nicht wirklich früh ins Bett, aber am nächsten Tag ging es für mich trotzdem wieder um 3 Uhr raus. Ich wollte da einfach nichts verpassen. Leider kann der kleine Mann bei den meisten Wanderungen noch nicht dabei sein. Es wäre zeitlich einfach viel zu früh für ihn und außerdem ist das Ganze auch nicht ungefährlich.

Wanderer beobachtet Sonnenaufgang auf Lofoten

Lofoten, Norwegen / ©Frederik Schindler

 

Schon Pläne für den nächsten Trip?

Über die Wintermonate versuche ich etwas Schnee zu catchen. Das Erzgebirge und ein kurzer Abstecher in die Alpen sind geplant. Das mach ich aber eher spontan. Ende Januar geht es noch einmal für einen Kurztrip auf die Lofoten um dort die Winterstimmung einzufangen und für Februar und März ist Indonesien geplant.

Saarschleife am Morgen bei Nebel

Saarschleife, Deutschland / ©Frederik Schindler

 

Gibt’s Orte die dich besonders reizen?

So ganz abgelegene Ort reizen mich. Die Liste ist lang: Grönland, die Falklandinseln, ein paar Gegenden in Russland oder auch den Norden von Kanada finde ich sehr spannend. Allerdings sind das alles sehr kostenintensive Ziele.

schwarzer Strand auf Island

Reynisfjar, Island / ©Frederik Schindler

 

Welchen Stellenwert haben Instagram & Co. für dich und wie machst du sie dir zu Nutze?

Mit Instagram habe ich erst dieses Jahr so richtig gestartet. Seit dem 1. Januar 2017 poste ich sehr regelmäßig, im ersten Halbjahr sogar täglich. Das Ganze macht mir einfach riesig Spaß und ich merke wie es mein Auge schult und ich immer wieder etwas dazu lerne. Ausserdem gibt es mir immer wieder einen Arschtritt raus zu gehen und etwas zu machen. Wer keinen spannenden Content kreiert und nicht immer wieder Nachschub liefert ist da schnell weg vom Fenster.

Das pusht mich im positiven Sinne. Die Community und all die Leute, die ich über Instagram kennengelernt habe ist ein weiterer sehr geiler Aspekt der Plattform. Mit YouTube will ich schon länger starten, aber ich habe einfach krassen Respekt davor, regelmäßig Videos in der Qualität zu erstellen, wie ich es mir vorstelle. Aber da muss ich wohl durch und mal damit anfangen.

Fotograf blickt von Klippe auf Landschaft Lofoten

Lofoten, Norwegen / ©Frederik Schindler

 

In wem oder was findest du deine größte Inspiration?

Es gibt keine konkreten Personen, aber mich inspirieren auf jeden Fall immer wieder andere Fotografen, Filmemacher und Künstler. Das ist wirklich breitgefächert. Casey Neistat hat mich auf jeden Fall inspiriert einfach loszulegen und mein Ding zu machen. Der Typ ist einfach irre, was regelmäßigen Output und Kontinuität angeht. Weiterhin inspiriert mich definitiv die Natur. Die verschiedenen Farben, Muster und Formen sind einfach krass und oft garnicht zu glauben.

Furkapass von oben

Furkapass, Schweiz / ©Frederik Schindler

 

Ein typisches Foto von dir, wie sieht das aus? Was möchtest du damit zum Ausdruck bringen?

Wie schon gesagt, sind es aktuell vor allem einzigartige Orte in der Natur die mich reizen. Mein Ziel ist es immer, den Betrachter auf eine Reise aus Abenteuer, Mystik, Magie und Fantasie mitzunehmen. Ich suche die speziellen Momente und eine Bildsprache, die den Zuschauer fesselt. Das Foto oder der Film soll dich ermutigen, dein eigenes Abenteuer zu suchen oder dich für einen Moment aus dem Alltag herausreißen.

Canyon auf Island mit der Drohen fotografiert

Fjaðrárgljúfur Canyon, Island / ©Frederik Schindler

 

Mit welchem Equipment arbeitest du?

Das ist ganz unterschiedlich. Für Jobs drehe ich mit allen Kameras von der ARRI Alexa bis zur Canon C300. Für meine eigenen Projekte benutze ich meine Sony A6500 oder auch die Sony A7RII. Daneben gibt es natürlich eine Reihe an Objektiven und einiges an Zubehör wie z.B. den Zhiyun Crane Gimbal.

Vielen Dank an Dich, Frederik! Mehr seiner großartigen Fotos findet ihr drüben auf seinem Instagram-Kanal.

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Ronny
Mag Menschen, die lächeln wenn es regnet. / @ronnyfri