Schneebedeckter Berg in den Alpen

Wer kennt es nicht: Jedes Jahr aufs Neue stellt sich die Frage, welche der dutzenden Silvesterparty’s man besuchen soll. Oder lieber zu Hause bei der Familie bleiben? Weder noch! Für meinen Bruder Paul, Lena und mich stand fest: Umgeben von Bergen, Schnee und Natur feiert es sich am besten. Bewaffnet mit den größten Rucksäcken der Welt und einem Zugticket ging es also los. Auf in die Berge!

Erster Halt: Der Chiemsee (A). Da wir unsere Tour unabhängig von Städten und Unterkünften erleben wollten, entschieden wir uns kurzerhand dafür, ein Wohnmobil zu mieten. Unser edles Ross erhielten wir von einem privaten Anbieter, der uns netterweise in Prien am Chiemsee vom Bahnhof abholte. Jetzt ging es so richtig los! Nach der ersten Nacht im Wohnmobil, machten wir uns auf nach Österreich. Den Blick immer nach vorne, auf die gigantische Silhouette der Berggipfel.

Als erstes Highlight der Reise entschieden wir uns für den Tauernmoossee (1) beim Enzingerboden. Da die gesamte Region von apokalyptischen Schneestürmen heimgesucht wurde,  entschieden wir uns,  auf halber Höhe des Berges zu bleiben. Gut ausgerüstet und motiviert starteten wir dann doch eine kleine Expedition. Es brauchte nicht viele Schritte, da fanden wir einen kleinen Stausee mit türkis schimmerndem Wasser. Und da der Himmel über uns alles andere als blau war, kam das doch gerade gut. Leider kann ich euch keinen Namen des Sees nennen – wahrscheinlich hat er auch keinen markanten. Mit den namhaften Bergseen der Region mithalten kann er auf jeden Fall.

Der Sturm ließ auch während der Nacht nicht nach. Eher im Gegenteil. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, erwartete uns eine eisige Überraschung. Die Fenster unseres Campers waren von innen gefroren. Das hatte ich vorher auch noch nie gesehen. Der Blick nach draußen war allerdings auch nicht viel besser: weiße Schneemassen und wir mittendrin. Die Befreiung unseres Womos muss definitiv filmreif ausgesehen haben. Leider war ich beschäftigt das Auto zu schieben, sonst hätte ich die Kamera drauf gehalten.

Als das geschafft war, machten wir uns weiter auf den Weg zum Großglockner (2). Dort angekommen, erkundeten wir die Berge und hoben uns die großen Gipfel für den nächsten Tag auf. Früh morgens ereilte uns das gleiche Schicksal noch einmal: gefrorene Scheiben. Dann musste halt der Eiskratzer ran. Hilft ja nix. Anschließend nahmen wir uns eine Gondel zum Gorner und bestaunten das scheinbar endlose Bergpanorama, das sich uns bot. Den eisigen Winden trotzend, stapften wir auf den Bergkamm und genossen die ersten Sonnenstrahlen seit Beginn der Reise.

Noch am selben Tag, fuhren wir dann noch einen Abstecher in Richtung des nahe gelegenen Hochschober (3). Auf dem Gipfel eines kleineren Nachbarbergs machten wir Rast für ein Bier und beobachteten den Untergang der Sonne hinter den Bergen. Einfach gigantisch! Da unser nächstes Ziel ein paar Kilometer entfernt lag, entschieden wir uns, noch abends weiterzufahren. Nach langer Suche fanden wir dann den wohl idealen Stellplatz für die Nacht.

Spontan sein lohnt sich manchmal eben doch! Direkt an einem Bergpass gelegen und mit Sicht auf das nächste Highlight: Die Krimmler Wasserfälle (4). Der nächste Tag war wohl einer der eindrucksvollsten. Die Wasserfälle mit einer Gesamthöhe von fast 400 Metern machten wirklich mächtig Eindruck. Schier endlose Wassermassen, türkis-blaue Eisschollen und Schnee soweit das Auge reicht. Da hätten nur noch ein, zwei Eisbären gefehlt und man hätte sich wie in einer anderen Welt gefühlt.

Die Tage vergingen wie im Flug und wir hatten uns noch keinen konkreten Plan für Silvester gemacht. Da wir unsere Tour weiter in den Westen Österreichs verlegen wollten, entschieden wir uns schlussendlich für Innsbruck (5). Dort einen guten Platz für die Nacht zu finden, war tatsächlich gar nicht so einfach. Das gesamte Zentrum besteht wohl aus einer “kostenpflichtigen Parkzone” oder so ähnlich. Zumindest standen dort zahlreiche Schilder, die das behaupteten. Gott sei Dank war ja Feiertag und die Parkuhren schrien ausnahmsweise nicht nach Bargeld. Weniger Glück hatten wir allerdings mit dem Wetter: Statt blauem oder bewölktem Himmel, lag die gesamte Stadt in Nebel verhüllt.

Ein Regisseur von Horrorfilmen hätte wohl seine Freude gehabt, wir allerdings weniger. Da die Berge im direkten Umkreis Innsbrucks liegen, hatte die Stadt wohl ein Feuerwerk von den Hängen der Berge zünden wollen, das überall sichtbar gewesen wäre. Wäre. Auch nachts lag das gesamte Tal nämlich noch im dichten Nebel. Um Mitternacht sahen wir also nur eine Art Wetterleuchten, die Stimmung war aber trotzdem Weltklasse! So eine feierwütige Masse habe ich lange nicht mehr gesehen. Wir feierten den Jahreswechsel noch anständig, bevor wir uns am nächsten Morgen wieder auf die Socken machten.

Bevor es langsam wieder in die Heimat gehen musste, wollten wir nochmal alle auf einen großen Berg. Deshalb entschieden wir uns, noch ein Stück in den Süden zu fahren. Zum Stubaier Gletscher (6). Der Name des Gebiets “Königreich des Schnees” war auf jeden Fall Programm. Oben auf dem Berg angekommen, peitschten uns Schneestürme, die sich gewaschen hatten! Die Atmosphäre, die sich uns während der Touren auf dem Berg bot, war aber umso gigantischer. Spätestens innerhalb des Gletschers – in der Eisgrotte – war wohl jeder von uns platt von dieser Masse an Eis und Schnee.

Faszinierend fand ich die ganzjährig konstante Temperatur im Inneren. Egal, was sich in der Außenwelt so abspielt – im Herzen des Gletschers bleibt es wohl immer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Ich kann es nur jedem empfehlen, mal so eine Gletschertour mitzumachen! Und hoffen wir mal, dass uns solche Eisriesen noch länger bewahrt bleiben.

Die Rückreise in die Heimat wollten wir natürlich nicht antreten, ohne uns einen wahren Klassiker im südlichsten Punkt Deutschlands anzusehen: Den Eibsee (7). Dort angekommen, muss man wirklich sagen, dass all die Bilder im Netz absolut Recht haben. Die Klarheit und Farbe des Wassers ist wirklich der absolute Wahnsinn! Wir verbrachten also den ganzen nächsten Tag in der Umgebung des Sees und ließen uns erst zurück ins Auto treiben, als uns der Dauerregen gänzlich durchnässt hatte. Gut aufgewärmt starteten wir auch am Morgen darauf noch einmal eine Tour durch den Wald der Region, bis wir mittags dann aufbrachen. Geradewegs in Richtung Chiemsee.

Die letzte Nacht der Tour verbrachten wir auf halber Strecke der Entfernung zum Ziel. Direkt am Wasser des Tegernsees (8). Falls jemand eine Empfehlung für eine fantastische Pizzeria braucht, kann ich euch helfen! Wir beschlossen nämlich, uns zum Ende der Tour mal von Brot und vorgefertigten Tortellini zu distanzieren und essen zu gehen. Am folgenden Morgen hieß es dann, klar Schiff zu machen, die Rucksäcke zu packen und das Wohnmobil wieder am Chiemsee abzuliefern. Ganz so leicht fiel uns der Abschied von unserem treuen Begleiter nicht. Der nette Vermieter verabschiedete uns dann aber mit einem freundlichen “Bis zum nächsten mal!”. Ich glaube, dass könnte wirklich passieren! 🙂

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Franz
Hat Höhenangst, aber liebt Berggipfel. / @franzferdinandmarx